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BLOG   |   19.08.2015
Bargeldlos in Schweden
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Die europäische Welt blickt oftmals Richtung Skandinavien, insbesondere nach Schweden, wenn es um Reformen oder gesellschaftlichen Wandel geht. Kinderbetreuung und Schulsystem sind nur zwei Beispiele, die auch in Österreich als vorbildhaft gesehen werden. Auch, wenn es um das Bezahlen geht, ist Schweden schon immer Vorreiter gewesen.
 
1661 hat Schweden als erstes europäisches Land die Banknote eingeführt, um insbesondere den Transport von Bargeld zu erleichtern. Die mühsame Beförderung von Gold, Silber und Münzen wurde somit im wahrsten Sinn des Wortes erleichtert. Heute ist Schweden jenes Land, in dem es sich eine breite Allianz von Gewerkschaften, Unternehmensverbänden, Behörden und Banken sowie prominente Persönlichkeiten zum Ziel gesetzt hat, die Verwendung von Bargeld zu minimieren.
 
80 Prozent der Käufe in der Heimat von Pippi Langstrumpf werden bargeldlos getätigt und der Umsatz im Lebensmittelhandel funktioniert zu 95 Prozent ohne Scheine und Münzen. Im Jahr 2013 tätigte jeder Schwede 250 Kartenzahlungen im Jahr, wodurch Schweden jener Staat mit den meisten Kartenbenützungen pro Einwohner in der Europäischen Union war. In der Kirche wird am Kollektomat gespendet, das Busticket mit dem Mobiltelefon bezahlt und die Arztrechnung mit Karte beglichen. Kinder ab 7 Jahren können eine eigene Bankomatkarte besitzen und das Taschengeld gleich direkt auf dem Konto ansparen oder beim Süßwarengeschäft bargeldlos den Schlecker kaufen.
Money, Money, Money
 
Auch Björn Ulveaus, Mitbegründer der Band ABBA, ist ein Befürworter der bargeldlosen Zahlungsmittel, da Bargeld unhygienisch sei, die Kriminalität fördere und hohe Transaktionskosten verursache. Und die Statistiken geben dem Sänger recht: Die Banküberfälle sind von 110 im Jahr 2008 auf 11 im Jahr 2014 gesunken. Dies ist der niedrigste Stand seit 30 Jahren.
 
Die Kriminalität war auch für die Gewerkschaft der Handelsangestellten, der Angestellten der Finanzbranche, der Organisation „Svensk Handel“ und der Polizeigewerkschaft ausschlaggebend, sich für eine Minimierung des Bargeldverkehrs einzusetzen. Statistiken, wie jene, dass bereits ein Viertel aller Angestellten im schwedischen Einzelhandel Opfer eines Raubüberfalls waren, bestärkten den Dachverband, die Initiative „Kontantfritt Nu!“, übersetzt „Bargeldlos jetzt!“, ins Leben zu rufen. Das Ziel: Die Forcierung des Bezahlens mit Karte. Bei den Schweden, die grundsätzlich neuen Technologien wie mobile Payment gegenüber sehr offen sind, fand man Gehör, sodass auch die größten schwedischen Banken die Entwicklung mittragen, um Schwarzgeldfluss, Diebstahl und Banküberfälle zu verhindern.
 
Allein zwischen 2010 und 2012 wurden daher in Schweden 900 Geldautomaten abgebaut und in 330 der 1200 Bankfilialen wird kein Bargeld mehr angenommen. 98 Prozent der Schweden haben eine Bankomatkarte, 96 Prozent haben Zugang zu Bargeld. Bargeld, als Zahlungsmittel, ist nur noch im Supermarkt üblich.
 
Schweden auf dem technologischen Vormarsch
Die Innovations- und Erfinderfreudigkeit war in Schweden immer schon sehr ausgeprägt. Nils Bohlin erfand den Dreipunkt-Sicherheitsgurt, Anders Celsius das 100-gradige Thermometer, Rune Elmqvist die Herz-Lungen-Maschine sowie den Herzschrittmacher und der berühmteste Schwede, Alfred Nobel das Dynamit. Heute heißen die Erfindungen „Wywallet“, „Swish“, „Seamless“ und „Bart” und wurden alle entwickelt, um den Zahlungsverkehr mobil über das Handy durchzuführen. Mit „Swish“ haben die sieben Großbanken des Landes eine P2P-App (Peer-to-Peer) entwickelt, die sich für schnelle elektronische Transkationen via Smartphone etabliert hat. Von Dezember 2012 bis Dezember 2014 haben sich 1,8 Millionen Schweden registriert und tätigen seither Echtzeit-Überweisungen, bei welchen der Betrag sofort dem Empfängerkonto gutgeschrieben wird. Die Aktivierung erfolgt, wie bei WhatsApp, über die Rufnummer.
 
Cashless ist nicht nur sicherer, sondern auch günstiger
4,6 Kronen, umgerechnet rund 50 Cent, kostet eine Bargeldtransaktion in Schweden. Eine Transaktion mit Karte kostet 3 Kronen, umgerechnet 32 Cent. Zum Vergleich: In Österreich kostet eine Bargeldtransaktion 40 Cent, eine Bankomatkartentransaktion im Jahr 2013 immer noch 39 Cent. Durch den laufenden Anstieg von  kontaktlosen Zahlungen mit Bankomatkarten und künftig auch dem Handy, werden diese Kosten deutlich sinken. Ende 2015 werden alle 9 Mio. österreichischen Bankomatkarten schon kontaktlosfähig sein und ab 2020 alle Zahlungsterminals in Österreich (heute sind schon mehr als 1/3 der Kassen kontaktlosfähig). Neben den Kosten für den Bezahlvorgang an sich ist der bargeldlose Zahlungsverkehr auch dadurch günstiger, dass die Ausgaben für Transport, Reinigung, Bereitstellung und Aufbewahrung entfallen.
Aber auch im hohen Norden hat Bargeld nach wie vor eine große Bedeutung. Zwei Drittel der Schweden möchten auf ein paar Geldscheine in ihren Portemonnaies nicht verzichten, auch wenn damit nur in den seltensten Fällen bezahlt wird. Daher werden im Herbst 2015 neue Geldscheine mit zeitgemäßen Motiven wie Porträts von Astrid Lindgren, Greta Garbo, Birgit Nilsson und der Öresundbrücke gedruckt.
 
Beitragsbild: http://www.riksbank.se/Documents/Bilder/Sedlar_giltiga/2015/Press/High/100_new_sedel_specimen_fram_900x451px.jpg