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Die Kosten des Bargelds in Österreich
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Eine Studie von Hanns A. Abele und Guido K. Schäfer
 
Die Kosten des Zahlungsverkehrs stellen in Europa seit geraumer Zeit ein intensiv diskutiertes Thema in wissenschaftlicher Forschung, wirtschaftlicher Praxis und in der wirtschaftspolitischen Diskussion dar. Um die Thematik für Österreich erstmals quantitativ zu untersuchen, haben sich zwei Volkswirtschaftsexperten der WU Wien, Univ-Prof. Dr. Hanns A. Abele und Univ.-Prof. Dr. Guido K. Schäfer, innerhalb ihrer Studie „Die Kosten des Bargelds in Österreich“ mit der Kosteneffizienz österreichischer Zahlungssysteme befasst. Im April 2015 wurde die Studie der Öffentlichkeit präsentiert.
 
Österreich hat Aufholbedarf
 
Die Kosten des gängigen Zahlungssystems in Österreich sind erheblich – dennoch gab es bis jetzt keinerlei Bemühungen Maßnahmen zu setzen, um diese zu reduzieren.
 
Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass andere Länder durch die Optimierung des Zahlungssystems erhebliche volkswirtschaftliche  Einsparungen verzeichnen konnten. Vor allem skandinavische Länder, aber auch die Niederlande sind hier Vorreiter. Mithilfe von umfassenden Kostenanalysen und aktiven Vorkehrungen zur Förderung der Kartenzahlung erzielten sie bereits beachtliche volkswirtschaftliche Ersparnisse.
 
In Europa wurde das Thema lange vernachlässigt. Einen ersten Anstoß zur Diskussion über den nationalen Zahlungsverkehr stellte eine Studie der europäischen Zentralbank im Jahr 2012 dar – erstmals wurden empirisch fundierte Zahlen zu den Kosten des Zahlungssystems vorgelegt. Österreich beteiligte sich damals nicht an der europäischen Kostenerfassung.
 
Bargeld kommt uns teuer
Wo also liegen die versteckten Kosten von Barzahlungen? Bis die Konsumentin am POS (Point of Sale) mit Bargeld bezahlen kann, steckt ein erheblicher Aufwand in der Servicierung des Zahlungsmittels: Es muss produziert, transportiert, aufbewahrt und gesichert werden. Die Kosten von Bargeld steigen mit der Höhe des Betrags. Noch deutlicher wirkt sich das für den Handel aus. Das abendliche Geldzählern der MitarbeiterInnen kostet Zeit. Bargeld birgt immer auch ein Irrtumsrisiko beim Herausgeben und Barumsätze müssen abends wieder in die Bank gebracht werden – meist gegen Gebühr.
 
Die Kosten von Bankomatkartenzahlungen dagegen sind betragsunabhängig. Tatsächlich beliefen sich die volkswirtschaftlichen Kosten von Bargeld in Österreich 2013 auf 1.167.000.000 € (0,362 Prozent des BIP) – im Vergleich zu nur 149.000.000 € (0,046 Prozent des BIP) bei Bankomatkarten.
 
Erhebliche Ersparnisse durch Bankomatkartenzahlung
 
Die Betragsgrenze für kosteneffiziente Zahlung liegt derzeit bei 10 Euro – deshalb ist es bereits ab einem Betrag von 10 Euro volkswirtschaftlich günstiger mit Bankomatkarte zu bezahlen. Durch die neue Kontaktlos-Technologie (NFC) wird dieser Betrag in den nächsten Jahren deutlich sinken. Bankomatkartenzahlungen werden in Zukunft auch bei immer kleineren Beträgen die volkswirtschaftlich günstigere  Zahlungsweise in Österreich darstellen.
 
Wie viel kann Österreich also sparen? Das volkswirtschaftliche Einsparungspotential kommt auf 150 bis 300 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht einer Einsparung von 130 Euro pro Person pro Jahr.
 
So zahlen Österreicherinnen und Österreicher
 
Innerhalb der Studie werden drei Gruppen definiert, die unterschiedliche Vorlieben für Bezahlungen haben. Der größte Anteil, etwa 50 Prozent  der erwachsenen Bevölkerung in Österreich,  bevorzugt aufgrund von Erziehung und aus Gewohnheit das Bargeld gegenüber der Bankomatkarte. 40 Prozent der ÖsterreicherInnen nutzen gelegentlich bis häufig die Karte am POS, nutzen sie jedoch tendenziell eher für höhere Beträge. Nur etwa 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind intensive Kartennutzer.
 
Reforminitiativen sind gefragt
 
Abele und Schäfer stellen sich die Frage, wie eine Übergangsentwicklung weg vom Bargeld und hin zu mehr Kartenzahlungen aussehen kann. Vor allem die Gruppe der gelegentlichen Kartenzahler stellt Potenzial dar – denn sie kann etwa durch Service-Verbesserungen, so zum Beispiel Steigerungen der Bezahlgeschwindigkeit am POS,  davon überzeugt werden, die Karte noch mehr zu nutzen.
Die beiden Professoren empfehlen Informationsinitiativen zur Bewusstseinsbildung, um eine Kostentransparenz der Zahlungsmöglichkeiten zu schaffen und die österreichische Volkswirtschaft nachhaltig zu entlasten.

Weitere Informationen finden Sie in der Präsentation der Studie hier.
 
Beitragsbild:  Kat R Flickr / CC by 2.0