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In Belgien, Finnland, Niederlande und seit 28. Oktober auch in Irland sind Ein- und Zwei-Cent Münzen keine sogenannten Umlaufmünzen mehr.[1]

Laut den europäischen Bestimmungen muss jedes Land Ein- und Zwei-Cent Münze prägen. Frei steht den Euro-Staaten jedoch wie viele Münzen sie herstellen.[2] In der Praxis bedeutet dies in Belgien, Finnland, Niederlande und Irland nun, dass Beträge beim Einkauf auf die nächste Fünf-Cent-Stelle gerundet werden.[3] Sinn und Zweck dieser Reform ist es, die Anzahl der Kleinmünzen insgesamt zu reduzieren, da die Herstellung dieser bereits teurer ist als ihr eigentlicher Wert.[4]Mit Ende Juni 2015 waren in Europa 53 Milliarden Kupfermünzen in Umlauf.[5] Die Anzahl der Ein-Cent-Münzen hat sich seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 somit verfünffacht und jene der Zwei-Cent Münzen vervierfacht.[6]

Die irische Zentralbank gab im Zuge der Änderungen bekannt, dass die Produktion der Ein-Cent Münze 1,65 und jene der Zwei-Cent Münze 1,94 Cent koste.[7] Ein weiteres Problem ist, dass zwar 53 Milliarden Kleinmünzen existieren, davon jedoch nur ein geringer Anteil tatsächlich zum Bezahlen verwendet wird. Viele der Ein- und Zwei-Cent Münzen gehen verloren oder werden im Sparschwein zu Hause angesammelt. Im Gegenzug benötigt der Handel jedoch immer neues Wechselgeld, wodurch die Nationalbanken verpflichtet sind, neue Münzen zu prägen.[8]

Schotterfreies Irland

Seit Ende Oktober werden die Preise in Irland auf die nächste Fünf-Cent-Stelle auf- oder abgerundet. Das dafür eigens beschlossene Gesetz sieht vor, dass nicht jedes einzelne Produkt, sondern der an der Kassa zu zahlende Endbetrag gerundet wird, wenn der Kunde damit einverstanden ist und bar zahlt. Besteht der Konsument darauf, den exakten Betrag zu begleichen, so ist dies ebenfalls möglich, da die Kleinmünzen nach wie vor offizielles Zahlungsmittel sind.[9]Bei Bezahlungen mit Karte wird der genaue Betrag automatisch abgebucht und nicht gerundet.

Finnland – Leben ohne Kupfermünzen

In Finnland hat die Regierung bereits im Jahr der Euro-Einführung 2002 beschlossen, möglichst wenig Ein- und Zwei-Cent Münzen zu prägen und in Umlauf zu bringen. Beim Bezahlen wird auch hier auf die nächste Fünf-Cent-Stelle gerundet. Eine Annahmepflicht für die Kupfermünzen besteht aber dennoch. Kommen zum Beispiel Touristen nach Finnland, so muss das Kleingeld akzeptiert werden. Das heißt, in Finnland gibt es sehr wohl Ein- und Zwei-Cent Münzen, aber sie sind im Handel und im alltäglichen Geschäft irrelevant und haben mittlerweile nur noch hohen Sammlerwert.[10]

Überlegungen der Europäischen Union und in Deutschland….

Bereits 2013 hat die Europäische Kommission die Abschaffung der Kupfermünzen öffentlich thematisiert, da die Produktion des Kleingelds unverhältnismäßig viel kostet. Zum damaligen Zeitpunkt konnte keine Mehrheit für dieses Vorhaben gefunden werden, vor allem da von einigen Mitgliedstaaten eine versteckte Teuerung für den Konsumenten befürchtet wurde.[11] Diese Bedenken hat aber insbesondere die Deutsche Bundesbank zuletzt zerstreut und begründet dies damit, dass sich die Rundungspraxis in Finnland und den Niederlanden gut etabliert habe. Zudem liege die einmalig zu erwartenden Teuerung sowie Inflation maximal bei 0,1 Prozent.[12]
In Deutschland ist die Bevölkerung mittlerweile für die Abschaffung der Kleinmünzen. Wie eine Umfrage von myMarktforschung ergab, halten 53% die Ein- und Zwei-Cent Münzen für verzichtbar.[13] Vor allem die jüngere Generation bis 29 Jahre kann sich ein Leben ohne die kleinen Münzen zu 60% gut vorstellen.[14] Insgesamt besitzt der Deutsche im Durchschnitt 208 Ein- und Zwei-Cent Münzen, die zwischen 2,3 und 3 Gramm schwer sind.

… und in Österreich?

Ein- und Zwei-Cent Münzen sind hauptsächlich im Handel relevant, wo die Nerven der Konsumenten in der Warteschlange oftmals strapaziert werden, wenn der Vordermann die Geldbörse nach Kleingeld durchsucht, um den Betrag genau begleichen zu können. Fahrscheinautomaten oder Parkautomaten nehmen die Kleinstmünzen hingegen gar nicht an. Dennoch sind die Befürworter der Abschaffung in Österreich mit 55% nur knapp in der Mehrheit und 41% wollen auf die Groschennachfolger nicht verzichten.[15] Für die österreichische Nationalbank ist ein Vorgehen wie in Irland oder Finnland denkbar, wenn eine dementsprechende Initiative von den politisch Verantwortlichen ausgeht.
 
[1] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/irland-reduziert-am-28-oktober-1-und-2-cent-muenzen-a-1058511.html
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Eurom%C3%BCnzen
[3] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/30/weniger-kupfermuenzen-irland-will-bargeld-verringern/
[4] http://kurier.at/wirtschaft/finanzen/kleine-cent-muenzen-schon-bald-ueberfluessig/159.586.575
[5] https://www.oenb.at/Bargeld/der-euro/Bargeldumlauf.html
[6] http://www.welt.de/finanzen/article147409363/Diese-Laender-arbeiten-an-Abschaffung-der-Cent-Muenzen.html
[7] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/irland-reduziert-am-28-oktober-1-und-2-cent-muenzen-a-1058511.html
[8] http://www.welt.de/finanzen/article147409363/Diese-Laender-arbeiten-an-Abschaffung-der-Cent-Muenzen.html
[9] http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/30/weniger-kupfermuenzen-irland-will-bargeld-verringern/
[10] http://www.spiegel.de/wirtschaft/laestige-centmuenzen-finnen-werfen-kleingeld-auf-den-muell-a-424651.html
[11] http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/abschaffung-kleiner-cent-muenzen-verbraucherzentrale-gegenueber-eu-plaenen-skeptisch-12188498.html
[12] https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Themen/2013/2013_03_11_klein_aber_fein.html
[13] http://www.mittelstand-die-macher.de/marketing-vertrieb/e-commerce/bargeld-deutsche-wollen-die-cent-muenzen-abgeschaffen-15209
[14] http://www.mymarktforschung.de/de/statistiken/item/studie-abschaffung-kleingeld.html
[15] http://kurier.at/wirtschaft/finanzen/kleine-cent-muenzen-schon-bald-ueberfluessig/159.586.575

Foto: http://media.irishcentral.com/images/MI+Euro+coins+cents+coppers+one+two+iStock.jpg