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Bargeldlos in Finnland – Hi Suomi!
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Finnland zählt, so wie seine nordischen Nachbarländer, zu den Vorreitern in der Welt des bargeldlosen Bezahlens. 1999 präferierten noch 71% der Konsumenten, so eine Umfrage der finnischen Föderation für Finanzservices, die Bezahlung mit Bargeld. Die nahm in den letzten Jahren jedoch merklich ab und 2013 bevorzugten nur mehr 26% die Barzahlung.[1] 2013 wurden im Heimatland des Weihnachtsmannes durchschnittlich 172.8 Transaktionen pro Karte getätigt – im Vergleich: Dänemark weißt dabei 159.2, Schweden 114.1, und die Niederlande 107.1 Transaktionen pro Karte und Jahr auf. Finnland ist damit Spitzenreiter. Auch eine 2013 durchgeführte Studie ergab, dass mehr als 2/3 der Finnen die cashless Bezahlung bevorzugen, um ihre täglichen Einkäufe zu erledigen. Dabei begleichen 73% ihre Restaurantrechnung und 66% ihre Coffee-Shop Rechnung bargeldlos und selbst Kleinstbeträge werden digital gezahlt. Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2014 werden in Finnland nur noch 32,8% der Einkäufe bar bezahlt, schon 52,6% mit Bankomatkarte, also mehr als jede zweite Zahlung. Neue technische Entwicklungen sind ebenfalls dazu gekommen: 0,2% mit Mobile Payment über NFC, 0,3% über SMS Dienste und 0,5% über Apps.[2]

Darüber hinaus wird von Helsinki bis an den Nordpol auch im öffentlichen Straßenverkehr kaum mehr bar, sondern hauptsächlich mit Prepaid und Mobile Tickets gezahlt.[3] Durch diese Entwicklung wird immer weniger Bargeld mitgenommen, was in weiterer Folge zu einer Reduktion von Raubüberfällen führt. So sind im Jahr 2002 noch 2.100 Delikte zu verzeichnen, hingegen im Jahr 2012 nur mehr 1.500.[4] So gilt auch Björn Ulvaeus, der berühmte Sänger der Kultband ABBA, als populärer Befürworter einer Cashless Community, da sein Sohn mehrmals ausgeraubt wurde.[5]

Entwicklung des finnischen Bankensystems
Finnische Banken haben zwischen 1970 und 1980 viel in das Bankenwesen investiert, um Informationen und technologische Möglichkeiten für die Bankenbranche zu eruieren und verstärkt auf Service und Qualität zu setzen. Erst als 1990 die Bankenkrise auch den hohen Norden traf, wurden diese Erkenntnisse dazu eingesetzt, die hohen Fixkosten der Banken zu senken und ein Paradigmenwechsel wurde in Gang gesetzt. Das finnische Bankensystem hat in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium begonnen, verstärkt auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr zu setzen und diesen zu bewerben. Eine Aufklärungsoffensive startete, welche über die Möglichkeiten und Vorteile der bargeldlosen Bezahlungen informierte. Darüber hinaus wurden Anreize, wie Vergünstigungen, Gutscheine etc., für die cashless Zahlung geschaffen. In den darauffolgenden fünf Jahren konnte eine Stabilisierung, wie auch Reaktivierung des finnischen Bankensektors verzeichnet werden.[6] Finnlands Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft hat sich darüber hinaus stark dafür eingesetzt, dass die bargeldlose Bezahlung an Bedeutung gewinnt. Dabei steht, in Zusammenarbeit mit dem Justizministerium und Finanzministerium, vor allem die Vermeidung von Schattenwirtschaft im Fokus. Einige Systemerneuerungen, wie auch über 20 Großprojekte sollen das Vorhaben unterstützen und der Wirtschaft 300 bis 400 Millionen Euro zusätzlich bringen. Mit der Reform 2014 ist der Handel zudem von Seiten der Regierung dazu angehalten, elektronische Bezahlmöglichkeiten – auch für Kleinbeträge – anzubieten.[7]

Auch in Finnland war, wie in anderen europäischen Ländern, in den letzten Jahren eine Redimensionierung des Bankennetzes notwendig. Mit Ende 2012 wurden 41% der Bankfilialen, im Vergleich zu 2011, abgebaut.[8] Damit ging eine Reduktion der Bankomaten einher. Im Jahr 2009 gab es in Finnland 2.930 Bankomaten, im Jahr 2014 beläuft sich diese Zahl auf 2.210.[9] Pro 100,000 Einwohner waren das im Jahr 2011 in etwa 36 Bankomaten, 2014 nur mehr 35. Im direkten Vergleich dazu ist Österreich noch immer „overbanked“, was aber mit der aktuellen Entwicklung der Digitalisierung vor einem Wandel steht.[10] Mit 8246 Bankomaten standen den Österreichern in etwa 113 Bankomaten pro 100,000 Einwohner im Jahr 2011 zur Verfügung. Drei Jahre später sind es 119 Bankomaten zu vergleichsweise insgesamt 8558.[11] [12] Darüber hinaus hat der nordische Staat rund 5,5 Millionen Einwohner zu verzeichnen,[13] wohingegen es in Österreich knappe 3 Millionen mehr sind.[14] Im Jahr 2013 wurden in Finnland 451 cashless Zahlungen pro Einwohner im Jahr gezählt, wohingegen in Österreich nur 288 getätigt wurden.[15] Die Kartendichte (Bankomat + Kreditkarten) ist in der Heimat von Kimi Räikkönen, Jean Sibelius, HIM, den Leningrad Cowboys und Janne Ahonen sukkzessive weiter gestiegen. Insgesamt ist im Zeitraum von 2009-2013 ein Zuwachs von 2.03% zu verzeichnen gewesen – 10.6 Mio Karten in 2009, zu 11.4 Mio Karten in 2013.[16]

Bargeldlose Wirtschaft
In Finnland haben sich einige Unternehmen sowie Gewerbe die Vorteile der cashless Zahlung zu Nutze gemacht und haben damit mehr Convenience sowie Sicherheit für die Verbraucher und Angestellten geschaffen. Netter Nebeneffekt: Sie erwirtschafteten damit auch mehr Gewinn. Beispielsweise arbeitet die größte Reiseagentur Finnlands ausnahmslos bargeldlos und auch Banken haben ihren Bargeldhaushalt seit 2011 deutlich reduziert. Somit ist mittlerweile in einigen finnischen Banken keine Bargeldbehebung mehr möglich und dieses Service wurde teilweise aus den generellen Angeboten der Banken entfernt. Auch die Glücksspielbranche hat die Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs erkannt. Der finnische Casinoanbieter RAY setzt auf Slot-Maschinen, die kein Geld ausgeben und annehmen, sondern nur anhand von digitalen Zahlungsströmen funktionieren. Das spart dem Unternehmen hohe Kosten für die Bewirtschaftung des Bargeldes und erhöht zeitgleich die Marge der Gewinner. Eine Ersparnis von 675 Millionen Euro soll im Jahr 2012 aufgrund der Umstellungen möglich gewesen sein.

Mehr Angebote durch bargeldlose Bezahlinnovationen
NFC wurde in Finnland 2012 anhand einer breitenwirksamen Initiative im öffentlichen Verkehr und Retailhandel eingeführt. In einem weiteren Großprojekt (Kooperation mit Mastercard und Lyyra) welches den Namen Elisa Lompakko trägt,[17] wurden Studenten mit rund 100.000 NFC Chipkarten ausgestattet, um am Campus ihr Essen, Getränke, Bücher etc. kontaktlos bezahlen zu können.[18] Die kontaktlose Bezahlvariante wurde laut Umfragen gut angenommen und konnte im Jahr 2015 weit mehr als 100,000 User verzeichnen. Besonders Online Shopper, Studenten und Familien sind begeistert von dem neuen Tool, da es den stressigen Alltag mit Kleinkindern erheblich erleichtert. [19] [20]

Future Payment ist in Finnland alltäglich
Auch kontaktloses Bezahlen mit dem Handy ist in Finnland inzwischen möglich. 2012 wurde in Kooperation mit einigen Banken und dem größten Finanzanbieter die App OP´s Pivo eingeführt, welche bisher 500.000 Mal heruntergeladen wurde. Kunden können dabei ihre Ausgaben nachvollziehen, Kundenkarten-Status einsehen und Gutscheine einlösen. Die Integration des Bezahlvorgangs inkl. Kundenkarten macht die Oberfläche der App besonders benutzerfreundlich und übersichtlich. Dabei kann auch Content vom Handel eingefügt werden, um Kunden durch Gutscheine und Rabattaktionen noch mehr Vorteile zu bieten.[21] Mobile Payment kann aber auch ohne NFC und eigene App durch den finnischen Anbieter Siru Mobile angeboten werden, welcher verspricht, keine Kundendaten zu speichern und einfach über die Telefonrechnung abzurechen.[22]
 
Quellen:

Beitragsbild: sbamueller / Flickr / CC by 2.0
  1. http://www.nets.eu/media/downloads/Documents/Digital%20Values%20issue%201/New%20payment%20trends%20in%20Finland.pdf
  2. https://www.teller.com/Global/Documents/Denmark/Dokumenter%20nyhedsbreve/Nets%20Digital%20Values%202-2014%20Nordic%20payment%20survey%20opslag.pdf
  3. http://www.independent.co.uk/news/world/europe/denmark-moves-closer-to-a-cashless-society-10231995.html
  4. http://knoema.de/crim_gen/crimes-recorded-by-the-police?regionId=FI
  5. http://www.enterpriseefficiency.com/author.asp?doc_id=244799
  6. http://www.bis.org/review/r130920a.pdf
  7. http://www.nets.eu/media/downloads/Documents/Digital%20Values%20issue%201/New%20payment%20trends%20in%20Finland.pdf
  8. http://www.nets.eu/media/downloads/Documents/Digital%20Values%20issue%201/New%20payment%20trends%20in%20Finland.pdf
  9. http://www.statista.com/statistics/444494/number-of-cash-machines-in-finland/
  10. http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4783850/Zahl-der-Bankfilialen-konnte-sich-in-20-Jahren-halbieren?from=simarchiv
  11. https://www.oenb.at/Publikationen/Statistik/die-aktuelle-zahl/Archiv/2014/8558.html
  12. http://data.worldbank.org/indicator/FB.ATM.TOTL.P5
  13. http://www.stat.fi/til/vaerak/2014/vaerak_2014_2015-03-27_tie_001_en.html
  14. https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich
  15. http://www.bpfi.ie/publications/statistics/cashless-payments-in-europe/
  16. https://www.timetricreports.com/report/vr1007mr--finlands-cards-and-payments-industry/
  17. http://www.mobileworldlive.com/money/news-money/finnish-operator-plans-autumn-nfc-launch/
  18. https://www.timetricreports.com/report/vr1007mr–finlands-cards-and-payments-industry/
  19. http://elisa.com/attachment/content/INTERIM-REPORT-Q3-2015.pdf
  20. http://www.rbforum.net/PastEvents/2013/Download/Presentations/EPMA-Forum2013-Koskenniemi.pdf
  21. http://www.nfcworld.com/2015/03/16/334586/finnish-banks-add-hce-payments-to-pivo-mobile-wallet/
  22. http://sites.sirumobile.com/new-payment-method-finland